Editorial | INDat Report 07_2026 | September 2026

Meinung ist gefragt

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Mit dem geplanten Rechtsrahmen für die Tätigkeit insolvenzrechtlicher Amtsträger wird abermals Aristoteles’ These bestätigt. Das Gros der einzelnen Regelungen zu Zulassung und Amtsführung des Insolvenzverwalters ist nichts Neues, weil es geübte Praxis, ergangene Rechtsprechung oder gewachsener Konsens ist. Aber in der Addition und Kombination kommen die neuen Paragrafen im InsAG und die InsO-Ergänzungen mit einer gewaltigen Wucht und enormen Wirkungskraft daher. Ein Beispiel: Die konturierte Höchstpersönlichkeit, die im Register für Richter sichtbare Auslastung des Verwalters sowie dessen personelle/fachliche Kanzleiaufstellung und die Begründungspflicht für die Bestellentscheidung können sich auf eine mitunter geübte Bestell­praxis für sog. Topverwalter auswirken, wenngleich der Entwurf den richterlichen Bestellvorgang gar nicht tangiert.

Die rd. 20-jährige Diskussion über ein Verwalterberufsrecht hat sich in letzter Zeit als heftiger Disput zwischen Verbandsspitzen dargestellt, vor allem zwischen dem VID mit der favorisierten Verwalterkammerlösung und der BRAK mit dem RAK-Modell, dem sich die AGIS im DAV angeschlossen hat.
Wird nun die Richtungsentscheidung des BMJV diesen Disput befrieden oder gibt es noch schlummernde Kräfte, die das Kammermodell (politisch) zu Fall bringen wollen?

Den Auftakt zu einer öffentlichen Diskussion, zu der alle rd. 2000 Verwalter eingeladen waren, bot der VID beim zweistündigen Onlineseminar am 25.08.2026. Fast alle der rd. 200 Teilnehmer konzentrierten sich nur aufs Zuhören der Vorträge; lediglich einige wenige äußerten Vorschläge für Änderungsbedarf im Detail. Es gab aber keine Stimme aus dem Publikum, die den Rahmen für das Berufsrecht und die Aufsicht bei der Verwalterkammer infrage stellte bzw. das Kammermodell als Konstruk­tionsfehler bezeichnete. Aber diese Kritik muss nicht coram publico geschehen, schließlich gehört es zu solch elementaren Vorhaben, dass auch vieles hinter den Kulissen abläuft.

Peter Reuter, Chefredakteur