Editorial | INDat Report 01_2026 | Februar 2026
Viel Potenzial
Es gibt noch Luft nach oben. Im zurückliegenden Jahr 2025 gab es 11.428 eröffnete Insolvenzverfahren über Personen- und Kapitalgesellschaften. Im Vergleich dazu sind die Restrukturierungssachen verschwindend gering. Wie die Befragung der 24 Restrukturierungsgerichte durch das ZEFIS e. V. und den INDat Report für 2025 ergab (siehe dazu den ersten von zwei Auswertungsbeiträgen in dieser Ausgabe), ist die Anzahl der angezeigten RES-Sachen zwar leicht angestiegen, doch sie machen weiterhin nur einen Bruchteil im Verhältnis zu den insolvenzlichen Sanierungsfällen aus. Bekanntermaßen läuft derzeit die Evaluierung des StaRUG, für die die Praxis und die einschlägigen Verbände dem BMJV schon zahlreiche Vorschläge unterbreitet haben. Allerdings scheint es so, dass es sich bei diesen Überlegungen eher um überschaubare Nachjustierungen handelt und nicht um grundlegende Veränderungen, die die Fallzahlen vervielfachen könnten.
Noch wenig Beachtung scheint das Potenzial des Pre-pack-Verfahrens zu finden, das im Zuge der Umsetzung der Richtlinie zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des Insolvenzrechts auch hierzulande als neues Sanierungswerkzeug kommen soll. Die Praxis der Pre-packs andernorts in Europa zeigt, dass sie vor allem mit Schnelligkeit und Diskretion punkten. Zwar haben das ESUG und das StaRUG viele Optionen eröffnet, aber Daniel Bergner, der neue Kolumnist im INDat Report, vermutet mit den Pre-packs dennoch »das nächste große Sanierungsding«.
Es wird noch dauern, bis Pre-packs hierzulande gesetzlich implementiert sind und auf die Sanierungspraxis wirken. Im zurückliegenden Jahr nahmen sich der o. g. Insolvenzfälle 1356 Insolvenzverwalter an. Dabei gibt es ein Novum: Zum ersten Mal führt eine Frau das Verwalterranking an.
Peter Reuter, Chefredakteur